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Sucherkameras und die Leica M

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Einleitung

Der Begriff Sucherkamera mag ein wenig ungenau scheinen, weist doch auch eine Spiegelreflexkamera einen Sucher auf. Der englische Ausdruck  “Rangefinder Camera“ umfasst den Begriff schon genauer, indem auch die Entfernungsmessung mittels Sucher angedeutet wird. Eine Sucherkamera ist sicherlich nicht einfach eine Kompaktkamera, bei der heute mittels LCD Display das Bild beurteilt wird und die evtl. noch einen kleinen ‚mousehole’ Sucher aufweist; nein: Bei einer Sucherkamera kann man nicht über das LCD Display fotografieren (genau sowenig wie man das bei einer Spiegelreflexkamera ohne Life-View kann). Sie zeichnet sich gerade durch ihren beeindruckend hellen, mehr als nur den Fotoausschnitt zeigenden Sucher aus. Aber die Sucherkamera birgt noch viel mehr Geheimnisse.

Dieser Bericht basiert auf meinen Erfahrungen mit analogen und digitalen Sucherkameras. Analog fotografierte ich mit der Contax G2 und 21, 28, 35, 45 und 90mm Objektiven und mit der Hasselblad XPAN mit 45 und 90mm Objektiven. Digital fotografiere ich im Moment mit der Leica M8 mit 35, 50 und 90mm Objektiven. Deswegen werde ich in diesem Bericht auch vereinzelt auf Details zur M8 eingehen, die mehrheitlich auch für andere M Kameras oder überhaupt andere Sucherkameras anwendbar sind. Im Moment (Stand Frühjahr 2011) sind die M Kameras die einzigen wirklichen Sucherkameras mit optischem Sucher und Wechselobjektivsystem. Zwar wird bald Fuji ihre X100 auf den Markt bringen, diese bietet aber keine Wechselobjektive. Und dann gibt es noch die ganze Familie basierend auf dem Micro-4/3 Standard, die aber allesamt keinen optischen Sucher aufweisen, und elektronische Sucher sind im Moment zumindest keine ernstzunehmende Alternative zu einem guten optischen Sucher.

M8 mit Summicron 50mm M8 mit Summicron 50mm/f2.0

Funktionalität

Eigentlich ist die Siegelreflexkamera das universellste fotografische Instrument und hat gerade aus diesem Grund die Foto-Welt erobert. An ihr können Objektive beliebiger Brennweiten angebracht werden und auch Spezielobjektive wie Makro, Fish Eye oder Tilt-Shift finden ihren Platz. Eine solche Bandbreite an Objektiven findet man für keinen anderen Kameratyp. Aber durch den Spiegelkasten ergeben sich konstruktive Schwierigkeiten. Der Vorteil ist natürlich, dass man zur Bildbestimmung durch das Objektiv schaut; aber der Spiegelkasten braucht Platz. Bei kurzen Brennweiten müssen die Objektive deswegen so konstruiert werden, dass ihr Brennpunkt ausserhalb des Objektivs liegt. Ein 21mm Objektiv z.B. hätte ja ihren Brennpunkt bei 21mm, aber der Spiegelkasten braucht, zumindest bei Formaten im 35mm Kleinbildfilm, ca. 50mm Raum. Das Objektiv muss also so konstruiert werden, dass zwischen Sensor und Objektivauflage ein Abstand von 50mm frei bleibt. Das bedingt eine aufwendige Konstruktion und deswegen werden Siegelreflex-Weitwinkelobjektive x-mal grösser als ihr Pendant im Sucherkamera-Bereich. Bei längeren Brennweiten (Teles) ist dieser Nachteil von Spiegelreflexkameras nicht mehr vorhanden, deswegen spielen hier Spiegelreflexkameras ihren Vorteil voll aus.

Summicron, Elmarit und EF24-104 Elmarit und Sigma 105mm Links: Vergleich zwischen Canon EF 24-104mm/f4.0 und Summicron 35mm (links), Summicron 50mm (mitte rechts) und Tele-Elmarit 90mm (rechts), Rechts: Vergleich zwischen Tele-Elmarit 90mm/f2.8 und Sigma für Canon EOS, 105mm/f2.8 Macro
Summicron, Elmarit und EF24-104Elmarit und Sigma 105mmOben: Vergleich der Taschen: Canon-Leica, in der linken Tasche befinden sich aber Objektive 15-400mm, in der rechten nur 35-90mm, dafür bis zu 2 Blenden lichtstärker, Unten: Leica Ausrüstung in kleiner Tasche mit 35mm, 50mm und 90mm Objektiv.

Bei einer Sucherkamera braucht es hingegen keinen Spiegelkasten und deswegen kann die Objektivauflage viel näher zum Sensor gewählt werden. Weitwinkelobjektive lassen sich nun viel einfacher und kompakter verwirklichen; es bleibt allerdings ein Wermutstropfen: Durch die Sensornähe der Objektivauflage fallen die Strahlen vom Objektiv in einem viel flacheren Winkel auf den Sensor.  Das Ganze wird noch dadurch verschärft, dass die hintere Objektivlinse bei manchen Brennweiten in den Raum zwischen Objektivauflage und Sensor ragt, also noch näher beim Sensor zu liegen kommt. Das ist konstruktiv an für sich ja kein Problem, da der Raum zwischen Objektivauflage und Sensor nicht durch einen frei schwingenden Spiegel belegt ist. Nur der Verschlussvorhang braucht ein wenig Platz. Damit nun die Strahlen vom Objektiv kommend nicht einfach von der Sensoroberfläche wegreflektiert werden und damit nicht mehr zur Bildauswertung zur Verfügung stehen (und auch ungewollte Reflexe erzeugen), muss der Sensor mit Mikrolinsen bestückt werden, die selbst flach einfallende Strahlen auf die einzelnen Pixel umleiten. Je weiter sich die Pixel dabei von der Sensormitte befinden, desto mehr müssen sie gegen die Sensormitte versetzt werden damit das Licht immer noch den Pixel unter ihnen trifft. Diese Konstruktion ist sehr aufwendig und darum war es auch lange ungewiss, ob gewisse Kamerahersteller (sprich Leica) einen Vollformatsensor für Ihre Sucherkameras realisieren könnten. Die konstruktiven Schwierigkeiten bei digitalen Sensoren in Sucherkameras haben offensichtlich auch dazu beigetragen, dass es bei der ersten Leica M8 mit einem digitalen Sensor zu Schwierigkeiten kam. Vor allem die erhöhte IR Sensibilität machte viel von sich zu sprechen. In der Leica M8 ist ein sehr dünner IR Sperrfilter verbaut, der vor dem Sensor die IR Strahlung blockieren soll. CCD Sensoren sind prinzipiell auch für nahes Infrarot empfindlich. Da aber der Sensor nur den sichtbaren Bereich abbilden soll, wir das nahe Infrarot durch einen vorgelagerten Filter blockiert. Das IR Licht würde sonst dafür sorgen, dass die Aufnahmen rotstichig werden. Und genau dies passiert bei der M8 bei der Abbildung von schwarzen Textilien. Beispielbilder finden sich im Bericht M8 Infrarotfotografie. Bei der Nachfolgekamera, der M9, wurde das Problem übrigens behoben.

Summicron 35mm mit IR Sperrfilter Summicron 35mm/f2.0 mit IR Sperrfilter B+W 486

Sucher

Bei der Sucherkamera blickt man nicht durch das Objektiv sondern durch einen Sucher mit einer vom Objektiv unabhängigen Optik; man schaut also am Objektiv vorbei. Wechselt man das Objektiv, müssen die Markierungen, die den Bildausschnitt für eine bestimmte Brennweite zeigen im Sucher umgeschaltet werden. Die Umschaltung erfolgt meist automatisch über das Objektivbajonett. Alternativ kann man sich aber auch den Rahmen anderer Objektive über einen Hebel einblenden lassen und so schon mal eine Bildbeurteilung vor dem Objektivwechsel durchführen. Das ist sehr praktisch, wenn man nicht genau weiss, ob zum Beispiel ein bestimmtes Objektiv wirklich den gewünschten Berech abdeckt. Da man ja nicht durchs Objektiv blickt, muss die Blende also nicht erst im Auslösemoment geschlossen werden, sondern wird schon vorher manuell eingestellt. Man arbeitet dementsprechend ausschliesslich mit Arbeitsblende. Der Sucher ist unabhängig von der maximalen Objektivöffnung immer gleich hell und zeigt sogar einen grösseren Ausschnitt, als das Objektiv abbilden wird. Man ist also in der Lage bewegte Dinge zu sehen, bevor sie ins Bild treten. Das ist vor allem bei der Aufnahme von z.B. Strassenszenen sehr praktisch, bei denen man einen bestimmten Hintergrund gewählt hat und nun darauf wartet, dass etwas Interessantes in den Vordergrund tritt.

Der Sucher hat aber noch einen anderen Vorteil. Das Bild wird nicht auf eine Mattscheibe projiziert, der Blick durch den Sucher unterscheidet sich also kaum von unserem täglichen Sehen. Daher wird man aber auch nicht die begrenzte Tiefenschärfe eines Objektivs sehen, alles erscheint scharf.

sucherrahmen Sucherrahmen der M8, aus der Bedienungsanleitung M8, Copyright Leica

Bei einer Leica M Kamera werden in drei verschiedenen Sucherbildern 6 verschiedene Rahmen für die entsprechenden Brennweiten angezeigt, also 2 Rahmen pro Sucherbild. Da sich die Vergrösserung nicht ändert, sieht man bei der kürzesten Brennweite nicht sehr viel Bild ausserhalb des Rahmens, bei der längsten Brennweite ist das Bildfeld selbst ein kleiner Teil des ganzen Suchers. Bei der M8 wird das erste Sucherbild für 24mm und 35mm verwendet, das zweite für 50mm und 75mm und das dritte für 28mm und 90mm. Bei der M9 wird statt 24mm ein Rahmen für 135mm eingeblendet. Der Unterschied beruht auf der Tatsache, dass die M8 einen um den Faktor 1.3 kleineren Chip besitzt, 24mm entsprechen also in etwa 32mm. Kürzere Brennweiten erfordern einen externen Aufstecksucher, längere Brennweiten kann man mit dem Entfernungsmesser nicht mehr zuverlässig scharfstellen und sind deshalb nicht erhältlich.

crop-faktoren Crop Faktoren und die entsprechenden Brennweiten

Die Kamera zeigt also fixe Bildrahmen, die verschiedenen Brennweiten entsprechen. Daher kommen bei einer Leica M auch keine Zoom Objektive sondern höchstens Tri-Objektive zum Einsatz; mehr dazu weiter unten. Diese Verhaltensweise unterscheidet die M von z.B. einer Contax G1 oder G2, einer analogen Sucherkamera mit Wechselobjektivsystem, sehr ähnlich der M. Die Contax verfügte schon früh über ein Autofokussystem und der Sucher wird bei ihr kontinuierlich der eingestellten Brennweite angepasst. So können auch Zoomobjektive eingesetzte werden und beim Zoomen wird immer der korrekte Ausschnitt angezeigt. Leider ist hier nur genau das Sichtfeld des Objektives sichtbar, die äusseren Bereiche werden maskiert. Ich fand dies immer ein wenig schade, so verliert man ein wichtiges Merkmal einer Sucherkamera, nämlich ihre Fähigkeit einen grösseren Bildausschnitt anzuzeigen, was die Bildgestaltung erleichtert und auch fördert, da man immer im Blickfeld hat was man noch dazunehmen könnte und wo man das Bild abschneiden möchte. Contax hat leider nie eine digitale Variante ihrer G Kameras produziert und heute gibt es die Marke Contax nicht mehr. An der Contax kamen übrigens Zeiss Objektive zum Einsatz.

Entfernungsmessung

Es mag in der heutigen Zeit ungewöhnlich klingen, dass eine manuelle Scharfstellung noch Vorteile bringen könnte, wo doch fast jede Kamera ein Autofokus aufweist. Eine M Sucherkamera wird über einen Mechanismus scharfgestellt, bei dem man zwei Geister-Bilder übereinander schieben muss. Der Mechanismus basiert darauf, dass ein zweites Bild über ein abgesetztes Fenster in das Hauptbild eingeblendet wird. Das zweite Bild wird über einen Drehspiegel eingeblendet, welcher über den Entfernungsring am Objektiv bewegt wird. Die Basis de Entfernungsmessers, also die Distanz zwischen Haupt und Nebenfenster bestimmt die Genauigkeit der Entfernungsbestimmung. Und diese Distanz ist natürlich durch das Kameragehäuse limitiert. Der Mechanismus funktioniert sehr exakt und ist kinderleicht in der Handhabung. Man hat sich schnell darauf eingestellt und wird kaum Probleme damit haben. Von nun an wird man sich sehr genau überlegen, was man genau scharfstellen will und wohin man die Unschärfe legen möchte. Der Mechanismus zwingt einen also, sich genau darüber Gedanken zu machen. Bei einer heutigen Spiegelreflexkamera mit mehreren Autofukuspunkten ist das nicht zwingend der Fall, bei einer Kompaktkamera schon gar nicht. Die Kamera wird automatisch die verschiedenen Autofokuspunkte auswerten und sich dann für einen (sehr wahrscheinlich den mit der kürzesten Distanzmessung) entscheiden. Wenn man bewusst scharfstellen möchte, muss man also auch bei einer Spiegelreflexkamera alle anderen ausser den mittleren AF Punkt deaktivieren.

Der Scharfstellmechanismus der Sucherkamera hat aber noch einen anderen, entscheidenden Vorteil. Hat man einmal scharfgestellt, bleibt die Schärfe automatisch erhalten. Man muss den Schärfepunkt also nicht speichern. Und er bleibt auch dann erhalten, wenn man eine Aufnahme gemacht hat. Man kann sich nun voll auf das Bild konzentrieren und so lange verschiedene Ausschnitte fotografieren, bis man das Gefühl hat den besten gefunden zu haben, ohne dass man ein einziges Mal nachfokussiert (angenommen man hat die Distanz zum Hauptobjekt nicht geändert). Bei einer AF Kamera ist das nicht der Fall; hier muss man immer neu fokussieren, den AF-Punkt speichern, den Ausschnitt mit gespeichertem AF Punkt wählen, auslösen und neu fokussieren.

Ich möchte an dieser Stelle auf das Beispiel Street-Photography zurückkommen. Man hat also einen Ausschnitt für den Hintergrund gewählt (die Bühne) und wartet nun, dass etwas (der Akteur) in den Ausschnitt tritt um dann das Bild zu machen. Diese Vorgehensweise verlangt geradezu nach mehreren Bildern des gleichen Ausschnittes und hier ist es am einfachsten, alle Parameter unverändert zu belassen. Es soll sich nur der Bildinhalt ändern.

Hier zeigt sich schon ein intuitiver Vorteil der Kamerabedienung. Man muss die Kamera nicht daran hindern irgendwelche Parameter zu verstellen die man unverändert lassen möchte. Ist ein Parameter einmal eingestellt bleibt er solange fixiert, bis man ihn verstellt.

M8 entfernungsmessung M6 front Links: Emtfernungs-Abgreif-Vorrichtung im Bajonett, Rechts: Das rechte Fenster ist der Sucher, das mittlere Fenster mit Lamellen wird zur Rahmenilluminatioon verwendet, das linke kleine Fenster ist für die Entfernungsmessung
90mm elmarit nah90mm elmarit unendlich Links: Tele-Elmarit 90mm bei minimaler Entfernungseinstellung, der Messingring ist ganz versenkt; an ihm wird die Entfernungseinstellung abgegriffen, Rechts: bei maximaler Entfernungseinstellung, der Messingring ist ganz ausgefahren.

Belichtungsmessung

Die Belichtungsmessung unterscheidet sich nicht gross von der in anderen Kameras. Da aber das Objektiv nicht für das Sucherbild verwendet wird, kann man dauern durch das Objektiv messen ohne Licht vom Sucherbild zu verwenden. Der Sucher bzw. dessen Helligkeit wird also durch die Belichtungsmessung nicht beeinflusst. Da man die Blende am Objektiv selbst einstellt, gibt es keine Vollautomatik und auch keine Blendenautomatik. Man arbeitet entweder manuell oder mit Blendenvorwahl. Das zwingt den Fotografen, sich Gedanken über die geeignete Blende zu machen. Da man sowieso wissen sollte welche Blende man gerne hätte ist das überhaupt kein Nachteil. Man ist so automatisch immer informiert. Darum wird der Blendenwert auch nicht im Sucher angezeigt, man hat die Blende ja vorgewählt uns sollte noch wissen, was man gerade eingestellt hat. Die von der Kamera bestimmt Zeit (bei Zeitautomatik) wird aber im Sucher eingeblendet. Wenn man nach der Aufnahme feststellt, dass eine Belichtungskorrektur vonnöten ist, wird man am einfachsten die Zeit manuell über das Einstellrad vorwählen. Nun sind alle Parameter fixiert und man kann loslegen, ohne sich immer wieder Gedanken über Belichtungszeit, Blende und Schärfe zu machen. Die Belichtungszeit wird übrigens bei manueller Wahl nicht mehr im Sucher eingeblendet, man kann sich nun voll auf die Bildgestaltung konzentrieren. Nach einer Weile wird man evtl. sogar dazu übergehen, ganz manuell zu fotografieren, man hat ja die Kontrolle mittels Histogramm immer im Griff und kann sofort korrigierend eingreifen.

Die Belichtungsmessung selbst ist relativ einfach gehalten. Bei einet M Kamera gibt es keine Mehrfeld oder Matrix-Messung. Hier werkelt immer noch eine einfache, mittenbetonte Integralmessung. Diese wird über eine weiss eingefärbte Verschlusslamelle gemessen. Man darf also kein Wunder von dieser Messung erwarten (das darf man auch nicht von einer Matrix-Messung).

M8 Belichtungsmessung Weiss eingefärbte Lamelle des Verschlussvorhanges zur Belichtungsmessung

Objektive

Wie schon weiter oben erwähnt, ist die Konstruktion von Weitwinkelobjektiven für Sucherkameras im Gegensatz zu jenen für Spiegelreflexkameras wegen dem fehlenden Spiegelkasten einfacher oder anders gesagt optimaler durchzuführen. Das wirkt sich vor allem auf die Grösse aus. Im Moment besitze ich drei Fixbrennweiten, ein 35mm/f2, ein 50mm/f2 und ein 90mm/f2.8. Alle Objektive wiegen ca. 250g und sind um Faktoren kleiner wie vergleichbare Objektive für Spiegelreflexkameras. Dort haben sich vor allem Zoomobjektive durchgesetzt. Leider werden diese für höhere Lichtstärken sehr gross und auch schwer und sind dann nicht wirklich mit den kleinen und handlichen Sucher-Kamera Objektiven vergleichbar. Bei Sucherkameras findet man ja wegen den fixen Rahmen, die in den Sucher eingeblendet werden, keine Zoomobjektive. Das hat ganz einfach den Vorteil, dass man viel bewusster mit einer Brennweite arbeitet. Will ich einen Weitwinkeleffekt erzeugen, setzte ich ein Weitwinkelobjektiv an und fotografiere damit. Bei einem Zoom kommt man viel zu schnell auf die Idee, einfach einmal am Zoomring zu drehen, wenn der Ausschnitt nicht stimmt. Bei einer Fixbrennweite wird man selbst zum Zoom und geht ein paar Schritte weiter heran oder weiter weg um den richtigen Ausschnitt bei gewünschter Perspektive zu erzeugen. Es ist übrigens frappant zu sehen, wie schnell man sich an Fixbrennweiten gewöhnt. Ich hatte für meine Spiegelreflexkamera nur eine Fixbrennweite (wenn man einmal die Spezialobjektive wie Makro, Fish-Eye und grosse Teles weglässt) und habe dieses praktisch nie verwendet, weil andere Zoomobjektive die Brennweite auch abdecken. Trotzdem fiel es mir sehr leicht mit Fixbrennweiten zu fotografieren. Am besten man fängt mit nur einer Brennweite an. Dadurch lernt man, den Bildausschnitt abzuschätzen ohne die Kamera vors Auge zu nehmen. Man wird sich also schon vorher bewusst, ob man eine Szene mit einer bestimmten Brennweite erfassen kann oder nicht. Natürlich wird man sich immer wieder verschätzen; aber gerade so lernt man. Wenn man sich dann später ein paar andere Brennweiten zulegt hat man schon mal eine Basis, an der man sich orientieren kann. Aber auch dann wird der Blick auf die jeweilige Brennweite geschärft und man fotografiert automatisch mehrere Bilder mit der gleichen Brennweite, weil man ja die Motive entsprechend aussucht.

Die digitale Fotografie bietet einem aber auch andere Möglichkeiten, wenn man auf einmal z.B. das Gefühl hat für eine bestimmte Situation ein extremes Weitwinkel zu benötigen. Hier kann man ganz einfach ein Panorama aufnehmen und später die Bilder ganz einfach am Computer zusammensetzten. Dies gelingt mit einer Kamera, bei der man die Parameter fix eingestellt hat, wie von selbst. Man muss keine speziellen Speicherungen von Belichtung oder Entfernung vornehmen sondern kann gleich loslegen. Und wenn man im RAW Format fotografiert (und das sollte man auf jeden Fall tun) ist auch der Weissabgleich völlig unkritisch, da dieser bei der RAW Konvertierung noch eingestellt werden kann.

Zu Leica Objektiven im speziellen ist noch zu sagen, dass es einfach eine Freude ist mit diesen mechanisch und optisch absolut ausgefeilten und wunderbar verarbeiteten Objektiven zu arbeiten. Es macht einfach Freude mit einem guten und soliden Objektiv zu Fotografieren und nicht an einem Plastik-Teil herumzuschrauben.

Summicron 35mm und 50mm und Elmarit 90mm Links: Summicron 35mm/f2.0, Mitte: Summicron 50mm/f2.0, Rechts: Tele-Elmarit 90mm/f2.8
Summicron 35mm Summicron 35mm/f2.0 mit Sonnenblende, diese weisst Aussparungen auf, damit die Sucherabdeckung minimal bleibt

Bei Leica Objektiven kommt es immer wieder zu Verwunderungen von Nicht-Leica Benützern warum die Objektive alle so seltsame Namen aufweisen. Ein 50mm/f2 Objektif heisst dann nicht ganz einfach 50mm/f2 sondern Summicron 50mm. Der Name bezeichnet dabei jeweils die Lichtstärke des Objektivs.  Die Namen entsprechen folgenden Maximalöffnungen:

Noctilux: Blende 1.0
Summilux: Blende 1.4
Summicron: Blende 2.0
Summarit: Blende 2.5
Elmarit: Blende 2.8
Elmar: Blende 3.8-4.0 (Ausnahme: Elmar 1:2.8/50mm)

Die Standardobjektive sind die Summicrons mit Blende 2.0, die bezüglich Gewicht und Grösse am besten Unterwegs einsetzbar sind. Summilux und vor allem Noctilux sind die Lichtriesen, die natürlich auch entsprechen mehr Gewicht auf die Wage bringen, und eben auch ein bisschen mehr kosten als die Summicrons. Die Summarit Objektive sind die ‚preiswerten’ Objektive im Leica Lager; aber eben: alles ist relativ!

Die untenstehende Tabelle soll noch einmal verdeutlichen, warum sich die Summicrons bei der Reportagefotografie durchgesetzt haben. Hier werden die Gewichte und die Volumina der einzelnen Objektivklassen für das 50mm Standardobjektiv dargestellt, wobei das Volumen ein ungefährer Wert errechnet aus der Länge und dem Durchmesser des Objektives darstellt. Das Summicron ist bei den relativen Gewichts- und Volumenangaben auf 100% gesetzt. Ist man mit einer Blende 2.5 statt 2.0 zu frieden, spart man zwar kaum Gewicht aber immerhin ein wenig Volumen. Das Summarit wird man also eher des Preises wegen kaufen. Möchte man eine Blende mehr haben, also ein Summilux, so muss man 40% mehr Gewicht uns ca. ¼ höheres Volumen in Kauf nehmen. Und zielt man auf ein Noctilux, so schleppt man ca. 3 mal mehr und hat auch über 3 mal soviel Volumen dabei (und bezahlt auch ca. 3 mal soviel). Die Grössenunterschiede werden schon Anhand der Filtergewinde deutlich.

50mm Objektive Vergleich Vergleich verschiedener 50mm Objektive

Das Elmar ist vor allem wegen seinen Tri-Objektiven bekannt. Da im Sucher ja wie oben erwähnt nur fixe Brennweiten angezeigt werden, kann man kein Zoomobjektiv verwenden; das heistt man könnte es genau genommen natürlich verwenden, aber die entsprechenden Bildrahmen würden nicht kontinuierlich mit der änderung der Brennweite angezeigt. Deswegen wurde Objektive ersonnen, bei denen man zwischen drei Brennweiten hin und herschalten kann und bei denen sich der Sucher bzw. der Sucherrahmen der eingestellten Brennweite anpasst. Diese Objektive kommen mit einer maximalen Öffnung von 4.0, heissen also dementsprechend Tri-Elmar.

Praktisch alle Leica Objektive zeichnen sich durch eine hervorragende optische Abbildungsleistung aus, wobei es durchaus Unterschiede gibt. Vor allem die neusten Konstruktionen mit asphärischen Linsen (durch das Kürzel ASPH erkennbar) stechen hervor, z.B. das Summicron 35mm ASPH. Aber nicht alle Objektive brauchen unbedingt eine asphärische Linse um zu Spitzenleistungen zu gelangen. Das Summicron 50mm gibt es bis heute nicht als ASPH Version und ist trotzdem eines der besten Objektive auf dem Markt.  Das tolle an diesen Objektiven ist, das man sie bei voller Blendenöffnng praktisch ohne Qualitätseinbussen einsetzten kann. Die alte Regel ‚zweimal Abblenden’ oder bei Blende 8 ist das Objektiv am besten kann man getrost vergessen und kann sich so auf die für eine bestimmt Bildwirkung beste Blende konzentrieren. Einzig bei meinem schon in die Jahre gekommenen Elmarit 90mm (aus dem Jahre 1982) bringt es einen sichtbaren Qualitätsgewinn, wenn man eine Blende abblendet.

IIch möchte hier noch kurz auf eine Leica Eigenheit eingehen. Durch den Einsatz digitaler Bildsensoren wird es möglich, gewisse suboptimale Abbildungsleistungen von Objektiven in der Digitalen Signalverarbeitung zu korrigieren. Dies könnte z.B. die Korrektur der Vignettierung oder chromatischen Abberation (Licht verschiedener Wellenlängen wird unterschiedlich stark gebrochen) sein. Um diese Effekte auszukorrigieren muss die Kamera aber wissen, welches Objektiv gerade montiert ist. Da keinerlei Datenübertragung zwischen Kamera und Objektiv vorhanden ist, hat man eine optische Auswertung eines 6-Bit Codes ersonnen. Dabei wird eine Abfolge von 6 schwarzen oder weissen Feldern auf dem hinteren Objektiv-Flansch von der Kamera mittels optischer Sensoren ausgewertet. Das ist soweit so gut und wenn sie neue Objektive kaufen werden die Objektive auch mit diesem Code ausgeliefert. Ältere Objektive werden aber keinen 6-bit Code aufweisen. Wenn man nun diese Funktionalität wünscht, muss man die Objektive codieren lassen, was ca. 3-4 Wochen in Anspruch nimmt und ca. 250Euro kostet (der ehemalige Einführungspreis im Jahre 2006 lag bei unter 100Euro, der heutige Preis, Stand 2011 wurde bei zwei verschiedenen Händlern angefragt). Das ist natürlich ein kostspieliges unterfangen. Alternativ kann man die Objektive per Filzstift und Schablone selber kodieren, muss dann aber ab und zu nachkodieren, da sich der Code bei der Objektivmontage abreibt. Einen solchen Codierer kann man z.B. von match Technical Services kaufen. Der Coder heisst dort „Coder Kit 2.0“ und besteht aus einer Schablone, bei der man den Code für ein bestimmtes Objektiv wählen kann und einem spitzen Filzstift, mit dem man den Code auf das Objektiv überträgt.

Oder man verzichtet ganz auf den Code und korrigiert nur im Bedarfsfall von Hand im RAW Konverter (was z.B. für die Vignettierung sehr einfach ist; leider kann man sich kein Profil erstellen welches dann automatisch angewendet wird, weil ja eben die Objektiv-Information im EXIF File fehlt).

Summicron 35mm und 50mm EF 50mm und Summicron 50mm Links: Summicron 35mm/f2.0 und 50mm/f2.0, Rechts Canon EF 50mm/1.8 und Leica Summicron 50mm/f2.0

Stativmontage

Warum sollte dieses Thema bei einer Sucherkamera etwas anderes sein als bei einer Spiegelreflexkamera? Der Grund liegt ganz einfach in einer Konstruktiven Eigenheit der Leica M Kameras, sie besitzen nämlich allesamt eine Bodenplatte. Diese Bodenplatte ersetzte früher bei analogen Kameras die aufklappbare Rückwand, die den Filmwechsel ermöglichte. Heute finde man unter der Bodenplatte Zugang zur Batterie und zur Speicherkarte und natürlich befindet sich auch der Stativsanschluss auf der Bodenplatte. Aber ich möchte noch einen Moment bei der Funktionalität der Bodenplatte verweilen. Es wurde bei der Lancierung der M8 viel darüber diskutiert, ob die Beibehaltung der Bodenplatte wirklich funktionale Vorteile bringt oder ob es nicht ein wenig umständlich ist jedes Mal die Platte zu entfernen, um die SD Karte oder die Batterie zu wechseln. Für mich spielt das eigentlich gar keine Rolle. Auf eine 8GB Karte gehen ca. 700 Aufnahmen und mit einer Batterie schaffe ich um die 400 Aufnahmen, ich muss die Batterie also höchstens einmal pro Tag wechseln. Und dann ist es nicht wirklich wichtig ob ich nun einen Deckel öffne oder die Bodenplatte abnehme. Und für all die, die sich an dieser Bodeplatte stören gibt es inzwischen solche Bodendeckel, die eine direkte Entnahme der Batterie oder der SD Karte ermöglichen.

Aber gerade diese abnehmbare Platte, und damit auch abnehmbarer Stativanschluss, erlaubt es nun externen Herstellern, Bodenplatten mit integriertem Stativadapter herzustellen. Eine solche gibt es von ReallyRightStuff (RRS). Zum Glück ist die Arca Swiss Platte gerade in etwa so breit wie die Leica dick, passt also prima auf die Kamera. RRS hat die Platte erweiterbar konstruiert und es gibt zusätzlich zur Bodenplatte einen Handgriff (alternativ zum original Leica Griff) und ein L-Bracket, damit man die Kamera auch im Hochformat auf dem Stativ befestigen kann. Wenn man sich einmal an ein solches L-Bracket gewöhnt hat, wird man es vermissen wenn man es gerade einmal nicht montiert hat. Leider gibt es bei diesem RRS Produkt ein paar Kleinigkeiten, die mir nicht sosehr zusagen. Der Griff könnte ein wenig ergonomischer sein, obwohl er auch so den Halt der Kamera stark verbessert. Der Griff weißt ausserdem auf der Unterseite zwei riesige Löcher auf um das Gewicht niedrig zu halten. Diese Löcher hätte man meines Erachtens schliessen sollen; das sieht etwas unfertig aus. Um den Griff und das L-Bracket zu montieren, muss die Grundplatte Schraubenlöcher aufweisen. Diese werden mit Gummistöpseln versehen, wenn man die Teile nicht montiert hat. Das ist absolut unschön, wer will schon die Gummiteile herauspulen, wenn man den Griff oder das L-Bracket montiert. Ich lasse die Stöpsel deswegen ganz weg. Und als letztes ist die Öse für den Kamerariemen am L-Bracket zu breit ausgefallen, sodass es ein wenig Trickserei bedarf um den Riemen am L-Bracket zu montieren. Und da die Sucherkamera ja immer möglichst klein bleibt, möchte ich das L-Bracket nicht permanent montiert lassen sondern nur wenn ich das Stativ dabei habe. Ich muss es also öfters ab und abmontieren und da wäre es schön, wenn dieser Prozess ein wenig leichter von der Hand ginge. Nichts desto trotz ist die RRS Bodenplatte eine wunderschöne Erweiterung und im Gebrauch sehr funktional und schön ausgearbeitet.

M8 front M8 Unterseite Links: M8 mit RRS Bodenplatte BM9-B und Griff, Rechts: M8 mit abgenommener Bodenplatte, Links SD Karte (blau) und rechts Batterie (schwarz)
BM9-B with GripBM9-BLinks: RRS Bodenplatte im Vergleich zur original Leica Bodenplatte, Rechts: RRS Bodenplatte mit Löchern für das L-Bracket (links) und Löcher im Griff (rechts)
BM9-B with Grip and L Bracket M8 with BM9-B Links: RRS Bodenplatte mit Griff und L-Bracket, Rechts: Bodenplatte mit Arca Swiss Adapter


Links zum Thema

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--- Der Autor und Publisher dieser Seite ist Bernd Margotte ---