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Epson 3800/3880 Instandhaltung

Mein Epson 3800 Pro Tintenstrahldrucker ist oft im Einsatz. Es ist ein sehr zuverlässiger Drucker und ausser ein paar Reinigungszyklen in unregelmässigen Abständen braucht er praktisch keine Wartung. Einzelne Tintendüsen, die verstopft sind stellen somit das einzige Problem dar, welches sich aber leicht durch einen Reinigungszyklus mit anschliessendem Testdruck beseitigen lässt. Nur ab und zu ist noch ein zweiter oder sogar dritter Reinigungsdurchlauf nötig.

Epson 3800Epson 3800 beim Druck eines vertikalen Panoramas

Der Drucker ist nun seit über 10 Jahren im Einsatz. In dieser Zeit wurden laut druckerinternem Zähler über 3 Liter Tinte verbraucht und über 6000 Seiten gedruckt. Das entspricht 0.5ml pro Seite. Nach meinen eignen Messungen verbraucht man hingegen ca. 0.8ml pro A4 Blatt. Und da ich praktisch immer A4 oder grösser drucke (oft auch bis zu 3m lange Panoramen) müsste der gemessne Verbrauch pro Seite deutlich darüber liegen, zählt man noch den Tintenverlust für die Reinigungen hinzu. Das soll hier aber nicht weiter behandelt werden, mir geht es hier primär eine ungefähre Angabe des Alters und der Benutzung des Druckers.

Nach diesen über 10Jahren zeigen sich nun erste Abnutzungserscheinungen. Der Drucker verliert schwarze Tinte, welche sich dann in Form von unansehnlichen Tropfen auf dem Druck niederlässt und diesen ruiniert. Die Ursache für dieses Phänomen kann entweder in einem undichten Tintenumschalter oder in einem undichten Tintendichtung (damper) liegen. Beide sind Teil des sogenannten "ink delivery systems", also des Systems für die Tintenzufuhr von den Tintenpatronen zum Druckkopf. Um das ganze ein wenig klarer zu verstehen beschreibe ich nun kurz, wie die Tinte von den Patronen aufs Papier kommt.

Epson 3800 tintenlinks im Bild: Tintentropfen auf den Rändern der Ausdrucke

Damit die Tinte von den Patronen zum Druckkopf fliesst wird sie unter Druck gesetzt. Dazu wird eine Luftpumpe eingesetzt, welche Luft in die Patronen drückt. Das Geräusch der Luftpumpe ist bei jedem Start des Druckers deutlich zu hören. Eine Luftpumpe versorgt alle Farbkanäle. Sobald der Druck während des Druckprozesses unter ein bestimmtes Niveau abfällt wird er durch die Pumpe wieder angehoben. Solange keine Tintendüsen geöffnet sind bleibt der Druck stabil. Wenn nun im Druckkopf eine Tintendüse geöffnet wird entweicht ein wenig Tinte durch den erhöhten Druck und da in den Patronen der Luftdruck weiterhin aufrecht erhalten bleibt fliesst Tinte von den Patronen durch die Schläuche zum Druckkopf nach. Das ganze System ist also ständig unter Druck. Da beim Epson 3800 die Tintenpatronen fest an der Front verbaut sind wird die Tinte über Schläuche zum Druckkopf befördert.

Epson Treiber Qualitätdas Tintenzufuhrsystem eines Epson 3800/3880

Der Epson 3800 verfügt über 9 verschieden Tintenpatronen, nämlich MK (Matte Black), PK (PhotoBalck), LK (Light Black), LLK (Light Light Black), C (Cyan), M (Magenta), LC (Light Cyan), LM (Light Magenta) und Y (Yellow). Hierbei ist wichtig, dass nur jeweils 8 Tinten für den Druck benötigt werde, der Druckkopf verfügt auch nur über 8 Kanäle. Je nach verwendetem Papier wird entweder mit Matte Black oder mit Photo Black gedruckt. Es braucht also einen Umschalter, der je nach verwendeter Tinte zwischen MK und PK umschaltet. Dieser Umschalter befindet sich gleich beim Druckkopf, es gehen also 9 Schläuche von den Patronen zum Druckkopf. Am Ende der Schläuche befindet sich dementsprechend eine Einheit, die den Tintenumschalter beinhaltet und auf den Druckkopf aufgesteckt wird. Die Dichtungen der einzelnen Farbkanäle befinden sich ebenfalls auf dieser Einheit. Da die Dichtungen sich hinter dem Umschalter befinden sind es nun nur 8 Dichtungen, die an den Übergängen zum Druckkopf verwendet werden.

Epson Treiber QualitätEinheit am Ende des Schlauchsystems mit Tintenwahlschalter (MK/PK) und Tintendichtungen (damper); die gesamte Einheit wird am Druckkopf montiert

In meinem Fall war die Dichtung des LLK Kanals defekt. Dies habe ich ermittelt, indem ich eine Schwarztinte nach der anderen mit Tintenreinigungsflüssigkeit ersetzt hatte. Das ganze Verfahren ist etwas aufwändig, da man den gesamten Schlauchinhalt der betreffenden Farbe leeren muss. Mich interessierte bei diesem Versuch vor allem, ob eine Dichtung oder der Umschalter betroffen war. Beim letzteren hatte ich die Hoffnung, diesen durch das Durchlaufen der Reinigungsflüssigkeit wieder in Gang zu bekommen. Da aber eine Dichtung betroffen war musste diese gewechselt werden.

Epson Treiber QualitätEinheit mit 8 Tintendichtungen und dem Umschalter (rechts)

Laut Epson ist das gesamte Tintenzufuhrsystem eine Abnützungsteil, welches man alle paar Jahre wechseln muss. Zum Zufuhrsystem gehört die Halterung für die einzelnen Patronen, das Schlauchsystem und die Einheit mit den Dichtungen und dem Umschalter. Es ist aber auch möglich die einzelnen Dichtungen zu wechseln. Der grosse Vorteil im Wechsel des gesamten Systems liegt darin, dass praktisch keine Tinte aus dem System fliesst und man so einen relativ sauberen Arbeitsplatz behält. Sobald das System aber an irgend einer Stelle geöffnet wird fliesst Tinte hinaus welche aufgefangen werden muss.

Epson Treiber Qualitätdas gesamte Tintenzufuhrsystem, welches gewechselt werden muss; unten ist die Halterung für die Tintenpatronen zu sehen, darüber die Einheit mit Umschalter und Dichtungen

Der Wechsel des Tintenzufuhrsystems ist nicht besonders schwierig. Von Vorteil ist es aber, wenn man sich das Service Manual des Epson 3800 zulegt, bei dem genau beschrieben ist, wie man den Drucker zerlegt. Leider ist nicht genau angegeben welche Teile man alle entfernen muss, um das Tintenzufuhrsystem auszubauen, aber wenn man der Reihe nach die Zerlegung nach Manual durchmacht und bis und mit die obere Geräteabdeckung entfernt (housing upper) kann man im Folgenden das Tintenzufuhrsystem entnehmen. Nach dem "housing upper" folgt also "removing the ink system mechanism" und dort kann man natürlich den Teil mit der Pumpe überspringen, da diese nicht Teil des Tintenzufuhrsystems ist. In meiner Manual Version geht es mit "cover, cr", also der Abdeckung des Druckkopfes weiter.

Epson Treiber Qualitätder Drucker mit demontierten Verschalungsteilen; das Tintenzufuhrsystem kann nun gewechselt werden
Epson Treiber Qualitätwenn die Schutzabdeckung vom Druckkopfe entfernt wird kann die aufgesteckte Einheit entnommen werden

Bei meinem ersten Versuch ging leider etwas schief und der Drucker konnte keinen Luftdruck mehr aufbauen (Error Code 1403). Das deutet auf irgendeine undichte Stelle im System hin, welche ich aber nicht finden konnte. Ich habe daraufhin das alte System wieder eingebaut und daraufhin konnte der Luftdruck wieder aufgebaut werden. Man musste also annehmen, das die undichte Stelle im neu erworbenen Tintenzufuhrsystem lag. Der Lieferant schickte mir dann auch umgehend einen Ersatz und als ich diesen verbaute ging alles glatt. Um Tinte in die Schläuche zu befördern führte ich direkt über die Steuerung am Drucker einen "Power Cleaning" durch, danach folgten noch 2 bis 3 normale Reinigungen und der Drucker war wieder einsatzbereit. Zur Sicherheit führte ich noch ein automatisches "Head Alignement" durch. Ich habe seitdem mehrere Meter Rollenware bedruckt und die Qualität der Drucke ist einwandfrei. Im Internet und auch im Manual findet man Hinweise, dass nach einem Wechsel des Tintenzufuhrsystems die Software "Espon adjust" verwendet werden muss, um verschiedene Prozeduren durchzuführen. Ich konnte aber leider die Software wegen eines Kommunikationsfehlers nicht zum Einsatz bringen und da der Drucker nach den verschieden Reinigungszyklen wieder vollständig und fehlerfrei lief wird die Software  meines Erachtens auch nicht wirklich benötigt.

Diesen ganzen Serviceeingriff kann man natürlich auch durch einen Fachhändler durchführen lassen. Allerdings ist dieser Eingriff nach Informationen aus dem Internet nicht ganz günstig. Inklusive Tinte wird dort von bis zu 800 USD gesprochen. Ich habe für das neue Tintenzufuhrsystem ca. 135EUR bezahlt, wobei noch ca. 60EUR Versandt und 20EUR Zoll hinzukamen, also total ca. 215EUR. Wenn man nur die einzelnen Dichtungen wechselt kommt man natürlich deutlich günstiger, allerdings muss man sich dann auch sicher sein, dass es die Dichtungen sind und nicht der Umschalter, welcher leckt.   



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--- Der Autor und Publisher dieser Seite ist Bernd Margotte ---